Wer eine Wildkatze zu Gesicht
bekommt, kann sich glücklich schätzen, denn die Tiere sind sehr scheu
und leben verborgen im Wald. Für alle, die mehr über sie erfahren
möchten, bietet das Forstamt Weilrod jetzt eine Entdeckungstour in ihr
Reich an.
Hochtaunus.
Ist
sie nicht süß? Diese Katze, die der Hauskatze sehr ähnlich sieht, ist
eine Wildkatze – das ist eine eigenständige Art. Sie lebt auch in den
Wäldern des Taunus. Foto: Thomas Stephan"Ist die Wildkatze
ein weggelaufener Stubentiger? Was sind Lockstöcke? Und was haben
Wildkatzen und Frösche gemeinsam?" Diesen und anderen Fragen können
Kinder und Jugendliche jetzt im Taunus nachgehen.
Möglich machen die Entdeckungstour ins Reich der Wildkatze das Forstamt
Weilrod und der BUND. Der Naturschutzbund hat eine Biodiversitätskiste
entwickelt. Sie ist Teil eines Bildungspakets zur Wildkatze. Darin sind
ein Wildkatzenschädel, Bestimmungsbücher, Plüschtiere, ein
Trittsiegel-Stempel und vieles mehr enthalten. Eine solche Kiste steht
nun im Forstamt Weilrod zur Verfügung.
"Obwohl die Wildkatze bei uns im Taunus lebt, bekommt der Besucher sie
kaum zu Gesicht. Mit den Aktionen der neuen Kiste wie Gipsspur-Gießen,
Trittsteinspiel und Waldanalyse möchten wir die scheue Art erlebbar
machen", erklärt Bhavana Kaiser, Waldpädagogin vom Forstamt Weilrod.
Das Forstamt Weilrod bietet in Zukunft eigene Erlebnis-Aktionen zur
Wildkatze mit der Kiste an. Interessierte Lehrer und Erzieher können
aber auch kostenlos einen Materialrucksack ausleihen und selbst mit
einer Gruppe auf Streifzug durch den Wildkatzenlebensraum gehen.
Ausführliche Anleitungen und Hintergrundinformationen helfen beim
unkomplizierten und flexiblen Einsatz des Kistenmaterials für
verschiedene Altersstufen. Ansprechpartner im Forstamt Weilrod ist
Bhavana Kaiser, Telefon (0 60 83) 91 32 37. "Den ersten Großeinsatz wird
die Kiste zur Eröffnung eines Wildkatzenerlebnispfads am Winterstein im
April haben", berichtet sie.
Lebensgebiete vernetzen
Während die Wildkatze noch vor wenigen Jahrhunderten durch fast ganz
Deutschland streifte, ist sie jetzt in den meisten Gebieten
ausgestorben. Straßen, Siedlungen und strukturarme Ackerlandschaften
trennen die letzten, verstreuten Vorkommen voneinander. Viele Katzen
werden auf ihren Wanderungen von Autos überfahren. "Nur wenn wir die
Wälder langfristig wieder miteinander verbinden, hat die Wildkatze noch
eine Chance zu überleben", sagt die BUND-Wildkatzenexpertin Sarah
Friedrichsdorf. Und ihnen folgten dann auch andere Arten. Der
BUND-Wildkatzenwegeplan zeige, wie durch grüne Korridore aus Büschen und
Bäumen diese Biotopvernetzung realisiert werden könne.
Die Vernetzung der Wälder zum Schutz der Artenvielfalt bezeichnet Sarah
Friedrichsdorf als eine Generationenaufgabe. Warum dies so wichtig ist
und welche Bedeutung die Artenvielfalt auch für uns Menschen hat, soll
vor allem Kindern und Jugendlichen vermittelt werden. Um sie anschaulich
und begreifbar an die komplexen Themen heranzuführen, hat der BUND ein
umfassendes Bildungspaket entwickelt. Neben der Biodiversitätskiste
enthält es eine Bildungsmappe für den Schulunterricht, eine
Mitmachaktion sowie eine Computer-Simulation. Nähere Informationen sowie
Material-Downloads finden sich im Internet auf der Seite des BUND unter
http://www.bund-hessen.de/wildkatze. rie
Artikel vom 09. Februar 2012, 19.12 Uhr (letzte Änderung 10. Februar 2012, 04.28 Uhr)