Wehrheim/Obermörlen.
Schon zu Zeiten des Dritten Reiches gab es hier unweit vom
Führerhauptquartier bei Obermörlen militärische Anlagen. Nach dem
2. Weltkrieg in den 1950er Jahren dann okkupierten die amerikanischen
Streitkräfte das Gelände am Eichkopf zwischen Pfaffenwiesbach,
Obermörlen und Bad Nauheim und richteten dort einen
Truppenübungsplatz und weitere militärische Anlagen ein. 2006/2007
fand die Rückabwicklung statt. So beschrieb Thomas Götz von Hessen
Forst am Sonntag, 7. Juni, den 13 Interessierten aus den Reihen der
Umweltgruppe der Lokalen Agenda 21 Weilrod kurz die Geschichte des
etwa 3500 Hektar umfassenden Geländes nördlich des
Wintersteinturms. Und davon sind jetzt dank der außergewöhnlichen
Nutzung jetzt 60 Hektar FFH-Gebiet. Es haben sich hier nämlich
diverse Tümpel und Kleinteiche gebildet, die eine reiche
Amphibienfauna beherbergen: Geburtshelferkröte (fraglich),
Gelbbauchunke, Erdkröte, Kreuzkröte, Laubfrosch, Teichfrosch,
Grasfrosch, Kamm-, Faden-, Teich- und Bergmolch. Im Florenbereich
konnten noch keine relevanten Arten festgestellt werden. Jedoch hat
hier schon die Heidelerche gebrütet, die jetzt dank vieler
Kalamitätsflächen eine größeren geeigneten Lebensraum im Taunus
vorfindet. Auch die Turteltaube wurde schon gesehen. Die
Insektenfauna ist durch eine reiche Blütenzahl vielseitig, unter
anderem mit vielen Schmetterlingen und Nachtfaltern. Da das Gebiet
unter FFH-Schutz steht, gelte hier ein Verschlechterungsverbot,
erläuterte Götz. Das bedeutet, dass die Fläche offengehalten
werden muss. Dazu werde der aufkommende Gehölzbestand wechselweise
auf den Stock gesetzt. Einzelbäume wie die alten Eichen oder
Wildkirschbäume bleiben erhalten. Die Wiesenflächen werden gemäht
und im Spätsommer/Herbst nachbeweidet. Stellenweise wurden
vegetationsfreie Flächen für die Heidelerche geschaffen. Und die
Mulden mit den Kleinbiotopen müssen erhalten bleiben. Um den
Gelbbauchunken sichere Laichbiotope zu schaffen, hat Hessenforst hier
jetzt mehrere „Unkotope“ eingerichtet. Das sind Wannen aus
Kunststoff oder Edelstahl, die mit Wasser gefüllt werden. Durch
Steine und Rohrmatten besteht die Möglichkeit für die Unken die
Wannen zu verlassen. Mit Bewehrungsmatten, Hasendraht oder auch
Zaunabdeckung wurde ein Waschbärschutz geschaffen. Die Wannen werden
im Herbst entleert, damit sich keine anderen Amphibien hier
ansiedeln. Erst im Frühjahr werden sie wieder gefüllt. Denn die
Gelbbauchunken sind eigentlich eine Auenart, die in erst frisch
entstandenen Pfützen und flachen, warmen, sonnigen, gerne
schlammigen Tümpeln ablaichen, in denen es keine Fische oder andere
Amphibien gibt. sn
 |
| Klaus am "Edel-Unkotop" |
 |
| Gelbbauchunke |
 |
| Unkenlaich |
 |
| Teichfroschtümpel |
 |
| Unken-Logo |
Artikel aus dem Usinger Anzeiger vom September 2008:
WEHRHEIM (sn). Tiefe Fahrspuren
durchziehen das Gelände. Der Pflanzenwuchs ist noch dürftig, der
Fachmann spricht von Pioniervegetation. Manche der einzelnen Eichen
sehen aus wie von Caspar David Friedrich gemalt: abgestorbene Stämme
ragen in den Himmel, unten von kräftig grünen Ästen umrahmt. Und
überall sind kleine Tümpel, in denen sich der Rohrkolben
ausbreitet.
Auf dem Truppenübungsplatz
Winterstein nordöstlich von Wehrheim-Pfaffenwiesbach herrscht seit
drei Jahren kein Übungsbetrieb mehr. Jetzt will die Bundesrepublik
Deutschland, die den Amerikanischen Streitkräften das Gelände in
den 1950er Jahren überlassen hatte, die Flächen wieder den Kommunen
zurückgeben. Doch Ober-Mörlen, Friedberg, Bad Nauheim, Rosbach und
Wehrheim bestehen darauf, dass die Bundesrepublik Deutschland das
Gelände zunächst auf Altlasten hin untersucht und diese
gegebenenfalls beseitigt. Außerdem gibt es hier noch immer
Stacheldraht, Gruben, Schützengräben und Gebäude, in denen der
Häuserkampf geübt wurde. Diese sollen auch erst noch entfernt,
zugeschüttet und abgerissen werden, bevor die Kommunen bereit sind,
die Verkehrssicherungspflicht zu übernehmen. Aus diesem Grund ist
aus der geplanten Übergabe zum 30. September noch nichts geworden.
Aber in Jahresfrist soll alles erledigt sein. Etwa 3200 Hektar
umfasst das gesamte Gelände, wovon aber nur etwa 70 Hektar als
Kernbereich intensiv durch Übungstätigkeiten genutzt wurden. Und
davon wurden jetzt 59 Hektar um den Eichkopf bei Ober-Mörlen als
Gebiet nach der Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Richtlinie der Europäischen
Union unter Schutz gestellt, denn hier hat sich die Gelbbauchunke
(Bombina variegata) angesiedelt. Sie liebt die kleinen Tümpel, die
noch schlammig sind und noch nicht zuviel Pflanzenwuchs aufweisen.
Entstanden seien die die kleinen, mal mehr, mal weniger tiefen
Wasserlöcher durch den Einsatz der Panzer, erklärte Thomas Götz,
Sachbereichsleiter forstliche Dienstleistungen und Hoheit des
Forstamtes Weilrod, in dessen Bereich der ehemalige
Truppenübungsplatz liegt. Die Panzerketten hätten den
Taunusschiefer zermahlen, so dass die nunmehr tonige Masse die Tümpel
abdichtet. Und da das Gebiet nach der FFH-Richtlinie geschützt sei,
gelte ein Verschlechterungsverbot. Das bedeutet, dass die Fläche in
dem derzeitigen Zustand zu erhalten ist. „Das ist jetzt die Kunst“,
äußerte Götz, denn die Sukzession, der Vorgang der Entwicklung der
Pflanzengesellschaften, der in Mitteleuropa fast immer zu Wald führt,
habe bereits begonnen. Nur durch spezielle Pflege sei der Status quo
zu erhalten. Aufbauend auf einer Grunddatenerfassung durch das Büro
Bioplan, Ober-Ramstadt, will jetzt das Land Hessen einen
Maßnahmenplan entwickeln. Der Schwerpunkt liege dabei auf der
„Bewirtschaftung“ der Gelbbauchunke, erläuterte Götz. Denn
hessenweit sei diese Fläche mit Dutzenden von Exemplaren eine der
wertvollsten Standorte in Hessen. Weitgehend einig seien sich auch
alle betroffenen Kommunen, die Fläche in Richtung der stillen
Erholung zu entwickeln. Zusammen mit dem Naturpark Hochtaunus werde
ein Konzept entwickelt, das Gebiet für Wanderer und „normale“
Radfahrer zu öffnen. „Die Wildkatze ist hier Stammgast“, ist
sich Götz sicher. Und er hofft, dass auch der Luchs komme. „Das
ist eine Riesenchance“, denn dies sei zurzeit das größte Gebiet
in Hessen, das von einer militärischen in eine zivile Nutzung
übergehe.