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Freitag, 15. März 2013

Wertvolle botanische Vielfalt im Weilroder Schlossgarten

Fotos: Thomas Götz (rechts) vom Forstamt Weilrod stellte Mitgliedern der Agendagruppe Umwelt und interessierten Bürgern die im Staatsforst auf Weilroder Gemarkung ausgewählten Kernflächen vor.
Höhlen, wie diese, in den 300 Jahre alten Eichen stellen ideale Verstecke für Fledermäuse dar.  Fotos: S. Neugebauer

Exkursion des Forstamtes und der Lokalen Agenda 21 zu den Kernflächen, die unter strengem Naturschutz stehen und nicht mehr bewirtschaftet werden
Artikel aus dem Usinger Anzeiger vom 13. März 2013

WEILROD (sn). 
Eine der vier Säulen des Wald-Naturschutzes stand am Samstag im Mittelpunkt einer Exkursion, zu der die Umweltgruppe der Lokalen Agenda 21 Weilrod zusammen mit dem Forstamt Weilrod eingeladen hatte. Thomas Götz vom Forstamt stellte den zehn Interessierten die ausgewählten Kernflächen vor.
Und gleich hinter dem Forstamt auf Schloss Neuweilnau war die erste Fläche zu finden, die in Zukunft für eine Bewirtschaftung tabu ist. Götz, der im Forstamt unter anderem für Naturschutzbelange zuständig ist, erläuterte die Gründe für die Auswahl dieser etwa 10 Hektar großen Fläche. Damit stellt der Schlosshain schon fast die Hälfte der 23 Hektar, die von den 1200 Hektar Staatswald auf Weilroder Gemarkung als Kernflächen unter Schutz gestellt werden. Der Schlosshain beherberge etwa 20 verschiedene Baumarten, betonte Götz, und weise damit eine hohe Vielfalt auf. Das Vorkommen der Bergulme hier sei das einzige im gesamten Forstamtsbezirk, nachdem das vom Ulmensplintkäfer übertragene Ulmensterben die meisten Bestände vernichtet hat. Außerdem gebe es hier Exoten wie die Douglasie. Diese etwa 90 Jahre alten Bäume überragen den übrigen Bestand. Aber auch Linde, Spitzahorn, Bergahorn, Weißtanne, Esche, Buche, Hainbuche, Eiche und noch einige mehr wurden hier zum Teil durch die Förster angepflanzt, die schon seit fast 200 Jahren auf dem Schloss residieren. Hinzu kommt eine vertikale Schichtung des Bestandes. Denn auch Naturverjüngung lässt sich hier nach dem Gewittersturm von 2011 beobachten. Die Vielfalt eines Bestandes sei ein Kriterium für die Auswahl als Kernfläche neben dem Alter der Bäume gewesen, betonte der Forstmann. Ein weiteres Kriterium seien Sonderbiotope im Wald, wie Felsformationen. 

So führte Götz die Gruppe zu der 3,6 Hektar großen Fläche am Homberg, die durch zahlreiche bemooste Felsen mit ihren Spalten gekennzeichnet ist. Die Kronen der 160 Jahre alten Buchen hier beginnen sich bereits zu zersetzen. Und dieses stehende und später auch liegende Totholz ist für viele Holz zersetzende Flechten, Moose und Pilze, aber auch für Totholz bewohnende Insekten -hier ist der Hirschkäfer ein bekanntes Beispiel- als Lebensraum notwendig. 185 Jahre alte Buchen dominieren den Bestand auf der 1,4 Hektar großen Fläche bei Cratzenbach. Astlöcher und Spalten in den Bäumen bieten hier ideale Bedingungen für Fledermäuse und Spechte. „Dieser Bestand ist noch als Wirtschaftswald deklariert, hat aber keine hohe Holzqualität mehr“, berichtete Götz. Damit sei der wirtschaftliche Verlust überschaubar, aber der ökologische Gewinn hoch. 

Eine vierte Fläche, die auf dem Exkursionsplan stand, wäre vom Eichenbestand her eine Wunschfläche des Forstamts gewesen. Doch da sie bei Emmershausen zwischen der Weilstraße und dem Weiltalweg liegt, muss hier wegen der Verkehrssicherheit doch gelegentlich ein alter Baum gefällt werden. „300 Jahre Nachhaltigkeit, diese Bäume können etwas darüber erzählen“, veranschaulichte Götz den von Hannß Carl von Carlowitz vor drei Jahrhunderten erstmals eingeführten Begriff, denn die hier wachsenden Eichen seien genau so alt. Diese alten Eichen mit ihren Höhlen und Spalten werden aber als Habitatbäume trotzdem von den Förstern erhalten, denn dies ist die zweite Säule der Waldnaturschutzes, zu dem auch der Naturschutz-Kodex des Forstes und die Arten- und Habitatpatenschaften einzelner Forstämter zählen, sowie eben das Kernflächenkonzept mit seinen zukünftigen Urwald-Parzellen. „Das Konzept kann gerne von den Kommunen übernommen werden“, betonte Götz, denn bisher hat Hessen-Forst nur im Staatswald Kernflächen ausgewiesen. Das sei zunächst eine Selbstverpflichtung, diese Flächen aus der Nutzung zu nehmen. Nur wenn die Flächen als Ausgleichsflächen einem Eingriff zugeordnet werden, dann werde damit eine Rechtsverbindlichkeit geschaffen, wie beispielsweise bei der Cratzenbacher Fläche, die dem Eingriff durch ein Windrad zugeordnet wird.


Sabine Neugebauer

Montag, 11. Februar 2013

Infos zum Kernflächenkonzept von Hessen Forst

Ein Lese-Tipp:

Ausführungen zum Kernflächenkonzept finden sich auch in dieser Veröffentlichung von Hessen Forst:


Arten- und Biotopschutz im Hessischen Staatswald: Die Naturschutzleitlinie im Kurzporträt




Zur Vorbereitung unserer Exkursion am 09.03.2013!

Gruß,
Thomas Dietrich

Mittwoch, 6. Februar 2013

Artikel aus dem Usinger Anzeiger vom 6. Februar 2013

Erster Einsatz gilt den heimischen Amphibien

Agendagruppe Weilrod wird am 23. Februar Zäune bauen


NEUWEILNAU (sn). 
Bald ist es wieder soweit, dann ziehen sie los zu ihren Laichgewässern. Gemeint sind die Frösche und Kröten, Molche und Feuersalamander. Darum will die Gruppe Umwelt der Lokalen Agenda 21 Weilrod am Samstag, den 23. Februar wieder anfangen, die Amphibienzäune an der Ziegelhütte und der Emmershäuser Hütte aufzubauen.

In diesem Jahr werden es sogar noch 200 Meter mehr sein. Denn -wie die Gruppe im vergangenen Frühjahr feststellte- reichten an der Emmershäuser Hütte die aufgestellten 200 Meter noch nicht aus. Es gab noch reichlich überfahrene Amphibien auf der Weilstraße, obwohl dort bereits 567 Tiere von den freiwilligen Helfern eingesammelt und wohlbehalten auf die andere Straßenseite transportiert wurden. Und so hat die Umweltgruppe von ihren Preisgeldern des Naturschutzpreises des Hochtaunuskreises und des Umweltpreises der Gemeinde Weilrod wieder ein Stück des grünen Zaunes mit Stäben, Klammern und Erdnägeln sowie Eimer gekauft. Am 23. Februar treffen sich dann die Amphibienschützer um 9 Uhr im Bereich der Emmershäuser Hütte an der Weilstraße um dort die Löcher für die Eimer zu graben und die Zäune aufzustellen. Weitere Helfer sind herzlich willkommen. 
Auch zu einer Besichtigung der so genannten Kernflächen im Weilroder Staatswald lädt die Gruppe ein. Am Samstag, den 9. März, um 10 Uhr ist Treffpunkt am Forstamt Schloss Neuweilnau. Von dort geht es in Fahrgemeinschaften zu den drei Flächen auf Weilroder Gemarkung, die im Rahmen des Kernflächenkonzeptes von Hessen-Forst unter Schutz gestellt werden sollen. Wie Thomas Götz vom Forstamt Weilrod bei der Agendasitzung erläuterte, wurden im Bereich des Forstamtes Weilrod, der bis nach Butzbach reicht, insgesamt 60 Hektar Staatswaldflächen ausgewählt. Kriterien bei der Auswahl waren Standortgegebenheiten wie Feuchtbiotope oder Felsformationen, aber auch das Alter der Bestände. Dies seien Standorte, die vermuten lassen, dass hier eine besonders Große Artenvielfalt herrsche, erläuterte Götz. Denn gerade Moose und Flechten, die auf Altholz leben, seien besonders häufige Vertreter auf der Roten Liste. Zusammen mit den anerkannten Naturschutzverbänden seien die Flächen besichtigt und für gut befunden worden. Diese Flächen des „Urwalds von morgen“ werden unter totalen Schutz gestellt. Weit ab von Straßen darf hier auch mal ein alter Baum umfallen. Götz ging auch auf die Problematik der Berechnung dieser Flächen als Ausgleichsmaßnahmen für die zukünftigen Windkraftanlagen ein. 
Der Vorsitzende der Agendagruppe, Albrecht Cromm berichtete kurz, dass bereits vor etwa fünf Jahren alle Weilroder Ortsbeiräte nach Standorten alter Müllkippen befragt worden seien. Denn immer wieder tauchen an manchen Stellen in Wald und Flur aus dem Boden Überreste auf. Einige Bohrungen hätten damals stattgefunden. Dabei seien keine das Grundwasser bedrohenden Altlasten gefunden worden. Müllfunde -ob neu oder alt- können über die Homepage der Gemeinde Weilrod unter dem Stichwort Mängelanzeige gemeldet werden. Die Gemeinde sorgt dann für einen Abtransport. Die nächste Sitzung der Agendagruppe Umwelt findet am Montag, den 15. April um 19.30 Uhr in der Espabar statt.



Unter Moosen und Flechten an Altholz finden sich oft Vertreter der Roten Liste. Foto: S. Neugebauer