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Montag, 15. Juni 2026

Botanisches Kleinod Hirtenwiese

Fuchs' Knabenkraut
Die Exkursionsteilnehmer mit Berthold Hilgendorf (4. von rechts) 
Wald-Läusekraut, Rote-Liste-Art

Riedelbach. Magerkeitszeiger und Höhenzeiger sind in der Hirtenwiese bei Riedelbach noch einige zu finden. Auf diese Pflanzen wies Diplom-Geograph Berthold Hilgendorf die zehn Interessierten aus den Reihen der Umweltgruppe der Lokalen Agenda 21 Weilrod und der Landakademie Weilrod am Samstag bei einer botanischen Exkursion besonders hin. Zu dieser Zeit blühten auch noch Dutzende Exemplare von Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii). Diese Orchidee sei früher eine typische Wiesenart gewesen, jetzt aber nur noch auf wenigen, ungedüngten Wiesen in Höhenlagen zu finden, so Hilgendorf. In den dauernassen Standorten auf der Wiese blühte gerade Brennender Hahnenfuß (Ranunculus flammula) und Sumpfvergissmeinnicht (Myosotis scorpioides), die hier zusammen mit Binsenarten wachsen. Auf die Höhenlage von rund 500m ü NN wiesen die Teufelskralle (Phyteuma nigrum), die Schwarze Flockenblume (Centaurea nigra) und ein kleines Vorkommen von Bergwohlverleih (Arnica montana) hin. Die nährstoffarmen Standorte dieser Wiese bedingen das Vorkommen von Harzer Labkraut (Galium saxatile), Kreuzblümchen (Polygala vulgaris), Waldläusekraut (Pedicularis sylvatica), Hasenbrot (Luzula campestris), Echtem Ehrenpreis (Veronica officinalis) und einigen anderen Arten.Solch eine Artenzusammensetzung sei meist schon in den 1950er und 1960er Jahren verschwunden, als begonnen wurde vor allem die dorfnahen Wiesen zu düngen, berichtete Hilgendorf. Gleich an der geringen Höhe des Aufwuchses sei erkennbar, dass diese Wiese hier fast noch nie gedüngt wurde. Nur das Vorkommen von Glatthafer könne auf eine Düngung hinweisen. Eine Düngung fördere die konkurrenzstarken Arten, so dass die Magerkeitszeiger von diesen verdrängt würden. Hier auf der Wiese war auch der Umbruch durch Wildschweine und das Einebnen durch den Landwirt kontraproduktiv für die Artenzusammensetzung. Wiesen wie diese seien als Kulturlandschaftsrelikte aber zwingend auf ein Mahd angewiesen. Erfolge diese zum richtigen Zeitpunkt, wenn die Obergräser gerade abgeblüht seien, entziehe das dem Boden weitere Nährstoffe, was für viele seltene Arten wichtig sei. „Schafe haben zu Unrecht einen guten Ruf als Landschaftspfleger“, betonte der Diplom-Geograf. Besonders wenn diese längere Zeit auf einer Wiese eingepfercht sind, fressen sie das, was ihnen schmeckt bis auf die Terminalknospen ab und zerstören so die Pflanzen. Ein ähnliches Fressverhalten haben Pferde, während Rinder durch ihre Maulform eher oberflächlich grasen. Allerdings produziere eine Beweidung ganz andere ökologische Bedingungen als eine Wiesennutzung, wusste Hilgendorf. Bei der weiteren Begehung der Wiese gelangte die Gruppe auch in einen sehr nassen Bereich, der quellmoorartig anmutete. Hier fanden sich sogar Torfmoos (Sphagnum spec.), Moor-Labkraut (Galium uliginosum) und das Sumpfveilchen (Viola palustris). Eine weitere Bedrohung der Wiese ist die Verbrachung und Verbuschung von den Seiten her.

Harzer Labkraut und Echter Ehrenpreis



Raupe vom Braunen Bären

Sechsfleckwidderchen

Scharlachroter Feuerkäfer



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