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Dr. Georg Mittelbach (von links), Thomas Götz, Götz Esser und Dr. Hans-Otto Wack berichteten aus ihren Fachgebieten zum Thema Wasser.
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Riedelbach.
Für die Zukunft muss im Hinblick auf die Wasserversorgung umgedacht
werden. Vorbild
können
Wassermangelgebiete
sein, wo beispielsweise kein Trinkwasser das Klo 'runtergespült
wird. Dies war das Fazit der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung
unter
dem Titel „Weilrod in Wassernot?“ am Mittwochabend. Rund 60
Interessierte waren auf Einladung der Umweltgruppe der Lokalen Agenda
21 Weilrod ins Dorfgemeinschaftshaus von Riedelbach gekommen, um zu
hören, was Fachleute zu diesem Thema zu sagen haben. Weilrods
Bürgermeister Götz Esser, Dr. Georg Mittelbach, Hydrogeologe im
Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG),
Dr. Hans-Otto Wack, Ökologe und Naturschützer, sowie Thomas Götz,
Hessenforst, berichteten über den jeweiligen Sachstand und wagten
einen Blick in die Zukunft. „Wir wollen das Thema Wassermangel auf
Weilrod bezogen darstellen“, begrüßte Götz als Mitglied der
Umweltgruppe die Zuhörer. Um anschließend das Thema Wassermangel
aus Sicht des Forstes darzustellen. In den drei Dürrejahren 2018 bis
2020 seien
im Forstamtsbezirk Weilrod 90 Prozent der Fichtenbestände verloren
gegangen, was hier 10 Prozent der bewirtschaften Waldfläche
ausmache. Auch bei den Buchen gebe es mittlerweile eine dramatische
Situation, nur die Eiche komme noch recht gut mit den geänderten
Niederschlagsverhältnissen zurecht. Zugleich komme es vermehrt zu
Starkregen. Der Forst reagiere darauf mit einer strengen Einhaltung
der Rückegassen, um die Bodenverdichtung auf diese für die
Maschinen nötigen Bearbeitungswege zu beschränken. Außerdem würden
das Wasser aus den Wegegräben in Versickerungsmulden abgeleitet und
Wasserkleinbiotope geschaffen. Beispielsweise habe Hessenforst im
Wintersteingebiet 200 solcher Tümpel gebaut. „Das ist nur ein
Tropfen auf den heißen Stein“, betonte Götz. Ein netter
Nebeneffekt sei, dass diese Tümpel beispielsweise für Amphibien wie
die geschützte Gelbbauchunke Laichgewässer seien. Bei der
Wiederbewaldung der Kahlflächen setze Hessenforst auf jeweils
mindestens vier klimafeste Baumarten. Entscheidend für die
Baumartenwahl sei der Geländewasserhaushalt. Hinzu kämen weitere
Arten, die sich durch natürliche Sukzession einstellten. „Mit
intelligenter Wasserführung können wir Starkregen besser managen“,
so Götz. Aber Wasserspeicherung sei nur eingeschränkt möglich, am
ehesten allerdings noch in intakten Waldflächen. Bürgermeister Götz
Esser blickte kurz zurück. Vor etwa 25 Jahren hätten seine
Vorgänger damit begonnen, in eine autarke Wasserversorgung zu
investieren. Auch in den vergangen fünf Jahren habe die Gemeinde
noch einmal 1,6 Millionen Euro in die Hand genommen, um
beispielsweise eine Ringleitung in Weilrod weiter zu bauen, marode
Leitungen auszutauschen oder digitale Wasserzähler anzuschaffen,
wodurch Leckagen leichter zu finden seien. Etwa 70 Prozent des
Trinkwassers gewinne die Gemeinde selbst aus einem Stollen, acht
Tiefbrunnen und vier Schürfungen. Der Rest komme von den
Wasserbeschaffungsverbänden Tenne und Wilhelmsdorf, also auch aus
ortsnahen Gewinnungsanlagen. „Wir beziehen kein Fremdwasser, da
sind wir ein bisschen stolz drauf“, hob Esser hervor. Die neue
Ringleitung zwischen Neuweilnau und Altweilnau ermögliche es, im
Bedarfsfall Wasser umzuverteilen. Im nächsten Schritt sollen etwa
eine Million Euro in eine Verbindung zwischen Emmershausen und
Hasselbach investiert werden. Wenn dann noch die Ringleitung zwischen
Emmershausen und Gemünden oder eine Verbindung zwischen Gemünden
und Niederlauken geschaffen sei, sei der Ring zu drei Vierteln
geschlossen. Außerdem habe die Kommune jetzt ein Gerät zur
Leckageortung angeschafft, mit dem es gelungen sei, ein Leck zu
finden, das schon vier Jahre lang gesucht worden sei. „Die
Weilroder Bürger sind sehr bewusst mit dem Lebensmittel Trinkwasser
umgegangen“, sagte er und sprach seinen Dank dafür aus. Dr.
Mittelbach der seit etwa 30 Jahren im HLNUG für den Hochtaunuskreis
zuständig ist, ging kurz und in verständlichen Worten auf die
Geologie des Taunus ein. Das Rheinische Schiefergebirge mit dem
Taunus sei aus Ablagerungen eines Meeres entstanden, das vor etwa 450
bis 500 Millionen Jahren hier die Erde bedeckte. Durch die
Kontinentaldrift sei dann das Gebiet angehoben und zusammengepresst
worden, sodass aus den Ablagerungen ein sehr dichtes, feinkörniges
Gestein entstand. Dieses Gestein sei wasserundurchlässig und könne
kein Wasser speichern. Durch den Druck seien zwar Risse entstanden,
die aber eben durch den Druck geschlossen seien. Doch senkrecht zum
Druck sei ein anderes Risssystem entstanden, das offene Klüfte
bilde. Und in diesen Klüften könne Wasser fließen. „Das Dilemma
ist, zehn Meter daneben ist nichts zu finden“, so Mittelbach. Dann
ging der Hydrogeologe auf die Grundwasserneubildung ein. Diese finde
in den Sommermonaten nicht statt, da die Pflanzen das meiste
Regenwasser aufnähmen. Und auch in den Wintermonaten müssten
bestimmte Verhältnisse vorliegen, damit Grundwasserneubildung
stattfinde. „Ideal ist drei Monate fieser Landregen“, schmunzelte
er. Bei Starkregen oder auch Schnee auf gefrorenen Boden, gelange
kein Wasser in die Grundwasserleiter. Außer den Klüften gebe es
noch Bereiche mit Hangschutt aus verwittertem Gestein, in dem es den
so genannten Interflow gebe, eine Art oberflächennahes Grundwasser.
„Neue Standorte für Brunnen zu finden ist nicht so einfach“,
betonte Mittelbach, denn die meisten würden schon genutzt. So würden
neue Brunnen gegebenenfalls nur andere alte Brunnen schwächen, da
sie die gleiche Kluft nutzten. Als Möglichkeiten für die Zukunft
nannte er die Reaktivierung alter Anlagen, was heute durchaus
wirtschaftlich sein könne, eine Neukonzeption der Verteilung, die
Brauchwassernutzung und das Wassersparen. Dr. Hans-Otto Wack wagte
einen Blick in die Zukunft und mahnte, dass Investitionen, die heute
getätigt würden, für die nächsten 80 bis 100 Jahre Bestand
hätten. Wie es beispielsweise bei der Fernwasserleitung aus dem
Vogelsberg nach Frankfurt sei, die 1878 gebaut wurde. 1873 sei nach
einer Cholera-Epidemie in Frankfurt ein Beschluss gefasst worden,
dies zu tun. Dabei sei Frankfurt ein wasserreiches Gebiet mit Main,
Nidda und hoch anstehendem Grundwasser. „Warum bedient sich
Frankfurt aus fremdem Naturraum?“, stellte Wack in den Raum. Dies
sei ein Anachronismus. Hier im Taunus seien die Verhältnisse anders,
hier gebe es wenig Grundwasser. Und
Grundwasserneubildung erfolge nicht bei Starkregen, die immer häufige
vorkämen. Jahrhundertregen würden mittlerweile alle drei bis zehn
Jahre vorkommen. Durch die Erwärmung gebe es eine verstärkte
Verdunstung und damit stärkere Wolkenbildung. Bei den Starkregen
gebe es praktisch keine Vorwarnzeiten für Hochwasser. Außerdem
würden dabei viele Tonnen von Oberboden abgeschwemmt. Was wiederum
den Teufelskreis Erosion in Gang setze. Ausgetrocknete Böden könnten
außerdem kein Wasser aufnehmen. „In diesen Böden ist das
Bodenleben kaputt“, betonte er. Und das Bodenleben sorge dafür,
dass der Boden offen für die Versickerung von Niederschlägen
bleibe. Die Böden, wie wir sie heute kennen, hätten sich seit der
jüngsten Eiszeit gebildet, was nun auch schon über 10 000 Jahre her
sei. Solange brauche ein Boden um sich zu bilden. Einen
kurzen Abstecher machte Wack zu den Mooren, die die wesentlichen CO2-
und Methan-Speicher auf der Erde seien. Auch eine künftige
Süd-Nord-Wanderung aus unbewohnbar werdenden Gebieten wie Südeuropa
oder Nordafrika riss er kurz an. „Grüne Wände“
zur
Kühlung von Städten seien
zwar gut und schön, aber ohne stimmiges Wasserkonzept nicht
sinnvoll. Als eine Lösung regte er an, ein doppeltes Leitungssystem
in Neubauten vorzusehen, getrennt nach Trinkwasser und Brauchwasser.
In eine Zisternensatzung müsste aufgenommen werden, das dort
aufgefangene
Wasser auch zwingend zu nutzen. Und hinzu kämen Vorgaben zum
Wasserrecycling, manches Wasser könne doppelt genutzt werden und aus
Abwasser Wärme gewonnen werden. Aber selbst Plumpsklos konnte er
Positives abgewinnen, denn die Phosphorvorräte auf der Erde gingen
zur Neige. Und Phosphor sei für die Düngung landwirtschaftlicher
Flächen zwingend nötig. Dünger könne aber auch aus den
menschlichen Hinterlassenschaften gewonnen werden.
Trinkwassergewinnung könne aber mittlerweile auch aus
Oberflächengewässern erfolgen, wie es schon beim Kinzig-Stausee
gemacht werde. „Wir müssen davon wegkommen, Wasser als Handelsware
anzusehen“, mahnte er. Abschließend wies er auf den Zukunftsplan
Wasser Hessen hin, an dem er mitgearbeitet hat. Die
Zuhörer hatten schon nach jedem Vortrag Verständnisfragen gestellt.
Jetzt nach allen Vorträgen kam eine kurze Diskussion in Gang, die
aufgrund der späten Stunde nicht allzulange ausuferte. sn
