Die für die Gewässerrenaturierung nötigen Fällarbeiten beginnen jetzt
Dass
die Renaturierung des Sattelbaches und des Laubaches zu 100 Prozent
bezuschusst wird, müsste die Gemeinde Weilrod eigentlich freuen. Tut es
auch, es gibt aber auch Kritik.
Von Alexander Schneider
Weilrod.
Der
Laubach soll in seinem Verlauf renaturiert werden – nur hier nicht, wo
er es aufgrund seiner Betoneinfassung am nötigsten hätte. Foto:
SchneiderBäche und Flüsse müssen entsprechend der neuen
Wasserrahmenrichtlinien in einen möglichst naturnahen Zustand
zurückversetzt werden. Europa will es so, und da gibt es auch für
Weilrod kein Entrinnen. Im Bauausschuss wurde das Thema Renaturierung
des Sattelbaches und des Laubaches zwischen Gemünden und Niederlauken am
Donnerstag erneut erörtert.
Klaus Seipel, Mitarbeiter der mit der Erstellung eines Konzeptes für die
Bachrenaturierungsarbeiten beauftragten Frankfurter Planungsgruppe
PGNU, erläuterte das Vorgehen im Ausschuss und verhehlte dabei auch
nicht, dass man unter einem gewissen Zeitdruck stehe.
Bei der Aufnahme der Bachläufe war anhand der Flurkarten festzustellen,
dass Sattel- und Laubach im Lauf der Jahre ihr ursprüngliches Bett
teilweise verlassen und sich andere Wege gesucht haben. An einigen
Stellen ist der Rückbau durch neue, naturnahe Uferbefestigungen möglich,
an anderen erscheine es sinnvoller, dass die Gemeinde das vom Bach
"geraubte" Privatland ankauft und die Bäche weiter mäandern lässt, riet
Seipel.
Der Planer wies darauf hin, dass im Zuge der Renaturierung auch
zahlreiche bachbettnahe Bäume und Büsche gestutzt, teilweise auch
gefällt werden müssen, um dem Gewässer freie Bahn zu verschaffen.
Bauamtsleiterin Silvia Koch kündigte an, dass mit den Fällungen bereits
in der nächsten Woche begonnen werde: "Wegen der bevorstehenden Brutzeit
der Vögel muss das bis Ende Februar erledigt sein."
Grundsätzlich könnte sich die Gemeinde Weilrod also beruhigt
zurücklehnen: "Die Renaturierung aufgrund der neuen europäischen
Wasserrahmenrichtlinien wird zu 75 Prozent von der Oberen Wasserbehörde
finanziert, der Rest aus anderen Zuschusstöpfen, etwa durch den
Landschaftspflegeverband", sagte Bürgermeister Axel Bangert (SPD). Die
Gemeinde muss die auf gut 100 000 Euro geschätzten Arbeiten an den
Bachläufen lediglich vorfinanzieren.
Mehr zu tun
Dennoch sieht Bangert das Programm durchaus auch kritisch: "Die beiden
Bäche sind eigentlich in einem gar nicht so schlechten Zustand. Das
Problem liegt dort, wo die Bäche durch die Ortsteile Gemünden und
Niederlauken fließen." Dort nämlich seien Sattel- und Laubach zum Teil
verrohrt oder durch Mauern eingeengt: "Da müsste viel mehr getan werden,
leider gibt es für den Rückbau dort aber keine Zuschüsse, völlig
unverständlich", bedauert der Verwaltungschef.
Grundsätzlich ein Problem mit der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinien
hat aber Klaus-Peter Datz (FWG). Für ihn ist die Weil der viel größere
und wichtigere "Patient", zumal es ja auch Programme gebe, den Lachs
wieder heimisch zu machen. Für die Weil seien diese viel relevanter als
für den Sattel- und den Laubach, wo die Lachse "im Tunnel Angst
bekommen". "Thema verfehlt", konstatierte Datz, der das ganze
"hirnrissig" nannte.
Bangert widersprach Datz zwar nicht grundsätzlich, verwies aber darauf,
dass die Renaturierung des Sattel- und des Laubaches ein Pilotprojekt
sei und deshalb auch zu 100 Prozent bezuschusst werde. Mit den dafür
vorgesehenen etwa 100 000 Euro komme man bei einer umfassenden
Renaturierung der Weil, die sicher nötig sei, nicht weit, "das bliebe
dann an uns als Gemeinde hängen", sagte Axel Bangert.
Artikel vom 03. Februar 2012, 19.32 Uhr (letzte Änderung 04. Februar 2012, 04.08 Uhr)