...und wie man ihr und ihren Kolleginnen im eigenen Garten helfen kann
Altweilnau. Artenvielfalt, Naturerlebnis und Nachhaltigkeit, das sind drei gute Gründe seinen Garten naturnäher zu gestalten oder gar in einen Naturgarten umzuwandeln. Dr. Simone Kilian, Naturgartenplanerin aus Schmitten, berichtete am Mittwochabend auf Einladung der Umweltgruppe der Lokalen Agenda 21 Weilrod im evangelischen Gemeindehaus von Altweilnau wie das geht. Und etwa 40 Personen hörten gut zu, stellten interessierte Fragen und stöberten schließlich bei den Informationsbroschüren und am Büchertisch. In einem Naturgarten sei es wichtig, heimische Pflanzen zu verwenden, die nicht züchterisch bearbeitet wurden, so Kilian. Diese seien beim Kauf daran zu erkennen, dass sie nur zwei botanische Namen haben. Aber auch Pflanzen aus Süd- oder Osteuropa könnten angesichts des Klimawandels und, da viele von ihnen noch vor den Eiszeiten hier heimisch gewesen seien, gesät oder gepflanzt werden. „Unsere Tiere sind an diese Arten angepasst“, betonte sie. Dann warf sie auch einen Blick in die Vergangenheit Europas, als hier noch Wisente, Wildpferde und Auerochsen grasten, vor der letzten Eiszeit sogar noch Elefanten und Nashörner, und dadurch die Pflanzenwelt stark beeinflussten. Darum gebe es viele Pflanzenarten, die an das Weideverhalten angepasst seien. Die Heumahd sei erst vor etwa 200 Jahren eingeführt worden, als man begann, das Vieh in Ställen zu halten. Zur Ausstattung eines Naturgarten gehören neben den krautigen Pflanzen aber auch Bäume und Sträucher. Daneben könne man spezielle Artenschutzstrukturen schaffen, wie Eidechsenburg, Totholz-, Reisig- oder Steinhaufen, Trockenmauer, Sandarium oder Käferkeller. Aber auch Wasser sei in einem Naturgarten wichtig. Tümpel. Teiche, Wasserläufe, Gräben oder auch feuchte Stellen ergänzten das Angebot für Pflanzen und Tiere. Ein besonderes Anliegen von Kilian ist die Schaffung von Magerbeeten. An mageren, das heißt wenig nährstoffreichen Standorten gebe es eine besondere Pflanzenvielfalt. Darum empfiehlt sie bei der Anlage eines Gartens entweder den Oberboden abzutragen oder Substrate wie Schotter anfahren zu lassen. Dort kann dann die Ansaat oder Pflanzung von magerkeitsliebenden Pflanzen erfolgen. Nur bei der Pflege in den ersten Jahre sei hier darauf zu achten, dass konkurrenzstarke Pflanzen, auch einheimische, gejätet werden, da sie die anderen unterdrücken. Bei bestehenden Gärten oder anderen Vegetationsflächen im öffentlichen Raum sei es manchmal nur nötig, einfach etwas weniger zu machen, die Pflege auf eine ein- oder zweimalige Mahd im Jahr umzustellen. Dazu führe sie eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Arten durch, wobei manchmal überraschend viele Arten zu Tage kämen. „Ein Naturgarten verändert sich stetig“, betonte sie. Denn die heimischen Arten vermehrten sich selbst. Und suchten sich dann eben auch mal neue Plätze. Die Sprecherin der Umweltgruppe, Marlis Teubert, dankte Kilian für ihren Vortrag. Teubert wies darauf hin, dass die Umweltgruppe mittlerweile 25 Jahre bestehe und aus diesem Anlass diese Vortragsreihe organisiere. Der nächste Vortrag wird sich mit den Fledermäusen im Taunus beschäftigen.(sn)Weitere Infos: www.harmoniegarten.com, https://umweltagenda21weilrod.blogspot.com/