mehr siehe:
Weiltalamphibien
Weblog der Agendagruppe Umwelt der Gemeinde Weilrod im Hochtaunuskreis
Seit 2011 baut die Umweltgruppe der Lokalen Agenda 21 Weilrod jeden Februar den Amphibienzaun an der Ziegelhütte im Weiltal auf. Und jedes Jahr haben die freiwilligen Helfer dort von Februar bis April zwischen 400 und 600 Erdkröten, Grasfrösche, Faden-, Teich- und Bergmolche aus den Fangeimern geholt und über die Weilstraße getragen. Auch jetzt am Samstag machten sich neun Freiwillige nach Abstimmung mit dem Grundstückseigentümer wieder an die Arbeit, den grünen Zaun aufzustellen. Bei dem eingespielten Team dauerte es nur etwa zwei Stunden bis die 150 Meter Zaun standen. Zunächst hieß es den Zaun auszurollen, dann die Stangen einzuschlagen, den Zaun daran zu befestigen und zu spannen. Das untere Ende des Zaunes wurde mit Häringen am Boden befestigt und noch mit Erde abgedeckt. Da kamen den Arbeitern die Maulwurfshaufen gelegen, wo lockerer Boden zu finden war. So können sich keine Amphibien unter dem Zaun durch quetschen. In regelmäßigen Abständen gruben die Helfer die Fangeimer dicht am Zaun ein, damit die Tiere auf ihrem Weg den Zaun entlang auch dort hineinfallen. Die Eimer weisen kleine Löcher auf, damit sich kein Regenwasser darin sammeln kann. Außerdem werden sie mit Blättern oder Moos „ausgestattet“, damit sich die Amphibien darin verstecken können. Und für hinein plumpsende Mäuse dient als Ausstieg ein Stöckchen. Auch der Zaun im Bereich des Ortseingangs von Gemünden wurde von einem dort ansässigen Amphibienschützer bereits wieder scharf gemacht. Dort wurde 2019 der Amphibienzaun aufgestellt. Und seitdem wurden auch hier jährlich 400 bis 600 Kröten sowie bis zu 50 Molche gerettet. An der Emmershäuser Hütte ist die Umweltgruppe seit 2012 aktiv. Dort kann der Zaun nach Abstimmung mit HessenForst das ganze Jahr über stehen bleiben, wie in Gemünden auch. Im Frühjahr werden dann die Durchlässe wieder geschlossen. An der Emmershäuser Hütte sind die Kinder und Jugendlichen der baptistischen Pfadfinderschaft, Siedlung Weilrod, mit im Boot. Sie helfen im Frühjahr mit, den Zaun wieder scharf zu machen und auch ihn nach Ende der Wanderung wieder zu entschärfen. Hier wurden in den vergangenen Jahren jeweils 500 bis 900 Erdkröten über die Straße getragen. Denn diese wollen aus dem Wald über die Weilstraße zum Teich an der Emmershäuser Hütte zum Laichen wandern. An der Ziegelhütte sind die dortigen Fischteiche das Ziel der Amphibien, in Gemünden der Teich auf dem Gelände der Firma Spieß. Jetzt sucht die Umweltgruppe wieder Helfer, die morgens die Sammeleimer kontrollieren. Wer dabei mithelfen möchte, kann sich unter neugebauer.sabine@web.de oder 06083-941067 bei Sabine Neugebauer melden. Unter https://weiltalamphibien.blogspot.com ist der Sammelkalender mit den freien Terminen zu finden. Wer noch keine Erfahrung beim Amphibiensammeln hat, bekommt nach Terminabsprache vor Ort eine Einweisung.
Am 11.02.23 trafen sich die Pfadfinder und Mitstreiter der Lokalen Agenda Weilrod zum Reinigen der Nistkästen im Naturschutzgebiet Riedelbacher Heide.
Um die Nistkästen überhaupt zu finden, war vorab ein Plan angelegt worden. Auf diesem wurde aucheingetragen, ob das Nest besetzt oder leer und schlimmstenfalls kaputt war. Jeder Kasten wurde geöffnet, gereinigt und ausgeflämmt.
So mancher Nistkasten aus Holz war in die Jahre gekommen und hatte sich wetterbedingt verzogen. Kästen aus Holzbeton sind besser und halten nahezu ewig – die Lokale Agenda freut sich über jede Spende hierfür.
![]() |
In diesem Nest fanden wir Tierhaare, Federn, Vogel- und Mäusekot sowie lebende Maden. Das gehört alles zur Natur und mit Handschuhen kann man das meiste gefahrlos anfassen und neugierig betrachten. |
![]() |
| Obwohl die Leitern sicher standen, war da immer noch eine stützende Hand. |
![]() |
Kaputte Nistkästen wurden vom Mann für alle Vogelfälle an Ort und Stelle meist repariert. Bei einigen Kästen waren die Schäden jedoch so massiv, dass Wolfgang sie mit nach Hause nehmen musste. |
![]() |
An einigen Kästen war mittlerweile die Farbe der Nummern verblasst oder ganz verschwunden. Profi Wolfgang hatte Schablonen, Farbe sowie Pinsel dabei und malte neue Zahlen. |
![]() |
In einem Nest wurde sogar noch ein (Blaumeisen?) Gelege gefunden - wahrscheinlich sind die Eltern umgekommen. |
Die Umweltgruppe der Lokalen Agenda 21 Weilrod lädt für Samstag, 18. Februar, 9 Uhr, zu einem Arbeitseinsatz ein. Treffpunkt ist der Parkplatz an der Ziegelhütte bei Rod an der Weil. Auf den Wiesen unterhalb der Ziegelhütte soll wieder der Amphibienzaun aufgestellt werden. Dadurch können die aus dem Weiltal in Richtung der Teiche der Ziegelhütte wandernden Frösche, Erdkröten und Molche abgefangen werden, bevor sie auf der Weilstraße überfahren werden. Dazu werden auch wieder Fangeimer eingegraben. Nach Aufstellen des Zaunes müssen dann auch wieder jeden Morgen die Eimer kontrolliert werden und die darin gefangenen Amphibien über die Straße getragen werden. Wer dabei mithelfen möchte, kann sich unter neugebauer.sabine@web.de melden. Unter https://weiltalamphibien.blogspot.com findet sich der Sammelkalender mit den freien Terminen. Wer neu dabei ist, erhält vor Ort eine Einweisung, denn beispielsweise wird die Zahl der unterschiedlichen Arten immer notiert.
Hier ein Link zur Zusammenfassung des Vortrages:
Liebe Umweltfreunde,
für heute, 19.30 Uhr haben wir unsere nächste Sitzung in der
Mappesmühle geplant. Bisher steht auf der Tagesordnung folgendes:
- Stand ALE Meerpfuhl, Arbeitseinsatz Entfernen des alten Zauns
- Umwelttag der Gemeinde Weilrod am 25.3.: wollen wir mitmachen,
wenn ja was und wo?
- Gewässerrenaturierung, evtl. Diskussionsveranstaltung planen
ähnlich "Weilrod in Wassernot?", welche Gewässer müssten
renaturiert werden?
- Baumschnitt, evtl. Arbeitseinsatz wegräumen von Ästen
- Nistkastenreinigung mit Pfadfindern am Sa. 11.2. Riedelbacher
Heide
Mit diesem Raureifbild wünsche ich allen Bloglesern ein schönes Weihnachtsfest, besinnliche Festtage und einen guten Start ins Neue Jahr 2023!
Sabine NeugebauerAm Sonntag im Zuge des Ehrenamtsempfanges der Gemeinde Weilrod wurde auch der Umweltpreis der Gemeinde Weilrod verliehen. 400 Euro hat die baptistische Pfadfinderschaft, Siedlung Weilrod erhalten. Die Pfadfinder unter Leitung von Sonia Di Martino-Hafeneger und Günter Hafeneger haben sich an der Nistkastreingungsaktion in der Riedelbacher Heide beteiligt, haben Nistkästen und Insektenhotels gebaut sowie Seedballs hergestellt.
| Jörg Schwieder (rechts) nimmt den Weilroder Umweltpreis von Bürgermeister Götz Esser und Parlamentsvorsteher Matthias Rumpf entgegen. |
| Bürgermeister Götz Esser und Parlamentsvorsteher Matthias Rumpf überreichen den Umweltpreis an Wolfgang Kopiske, Astrid Engel und Martin Brück. |
| Dr. Georg Mittelbach (von links), Thomas Götz, Götz Esser und Dr. Hans-Otto Wack berichteten aus ihren Fachgebieten zum Thema Wasser. |
Riedelbach. Für die Zukunft muss im Hinblick auf die Wasserversorgung umgedacht werden. Vorbild können Wassermangelgebiete sein, wo beispielsweise kein Trinkwasser das Klo 'runtergespült wird. Dies war das Fazit der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Weilrod in Wassernot?“ am Mittwochabend. Rund 60 Interessierte waren auf Einladung der Umweltgruppe der Lokalen Agenda 21 Weilrod ins Dorfgemeinschaftshaus von Riedelbach gekommen, um zu hören, was Fachleute zu diesem Thema zu sagen haben. Weilrods Bürgermeister Götz Esser, Dr. Georg Mittelbach, Hydrogeologe im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), Dr. Hans-Otto Wack, Ökologe und Naturschützer, sowie Thomas Götz, Hessenforst, berichteten über den jeweiligen Sachstand und wagten einen Blick in die Zukunft. „Wir wollen das Thema Wassermangel auf Weilrod bezogen darstellen“, begrüßte Götz als Mitglied der Umweltgruppe die Zuhörer. Um anschließend das Thema Wassermangel aus Sicht des Forstes darzustellen. In den drei Dürrejahren 2018 bis 2020 seien im Forstamtsbezirk Weilrod 90 Prozent der Fichtenbestände verloren gegangen, was hier 10 Prozent der bewirtschaften Waldfläche ausmache. Auch bei den Buchen gebe es mittlerweile eine dramatische Situation, nur die Eiche komme noch recht gut mit den geänderten Niederschlagsverhältnissen zurecht. Zugleich komme es vermehrt zu Starkregen. Der Forst reagiere darauf mit einer strengen Einhaltung der Rückegassen, um die Bodenverdichtung auf diese für die Maschinen nötigen Bearbeitungswege zu beschränken. Außerdem würden das Wasser aus den Wegegräben in Versickerungsmulden abgeleitet und Wasserkleinbiotope geschaffen. Beispielsweise habe Hessenforst im Wintersteingebiet 200 solcher Tümpel gebaut. „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, betonte Götz. Ein netter Nebeneffekt sei, dass diese Tümpel beispielsweise für Amphibien wie die geschützte Gelbbauchunke Laichgewässer seien. Bei der Wiederbewaldung der Kahlflächen setze Hessenforst auf jeweils mindestens vier klimafeste Baumarten. Entscheidend für die Baumartenwahl sei der Geländewasserhaushalt. Hinzu kämen weitere Arten, die sich durch natürliche Sukzession einstellten. „Mit intelligenter Wasserführung können wir Starkregen besser managen“, so Götz. Aber Wasserspeicherung sei nur eingeschränkt möglich, am ehesten allerdings noch in intakten Waldflächen. Bürgermeister Götz Esser blickte kurz zurück. Vor etwa 25 Jahren hätten seine Vorgänger damit begonnen, in eine autarke Wasserversorgung zu investieren. Auch in den vergangen fünf Jahren habe die Gemeinde noch einmal 1,6 Millionen Euro in die Hand genommen, um beispielsweise eine Ringleitung in Weilrod weiter zu bauen, marode Leitungen auszutauschen oder digitale Wasserzähler anzuschaffen, wodurch Leckagen leichter zu finden seien. Etwa 70 Prozent des Trinkwassers gewinne die Gemeinde selbst aus einem Stollen, acht Tiefbrunnen und vier Schürfungen. Der Rest komme von den Wasserbeschaffungsverbänden Tenne und Wilhelmsdorf, also auch aus ortsnahen Gewinnungsanlagen. „Wir beziehen kein Fremdwasser, da sind wir ein bisschen stolz drauf“, hob Esser hervor. Die neue Ringleitung zwischen Neuweilnau und Altweilnau ermögliche es, im Bedarfsfall Wasser umzuverteilen. Im nächsten Schritt sollen etwa eine Million Euro in eine Verbindung zwischen Emmershausen und Hasselbach investiert werden. Wenn dann noch die Ringleitung zwischen Emmershausen und Gemünden oder eine Verbindung zwischen Gemünden und Niederlauken geschaffen sei, sei der Ring zu drei Vierteln geschlossen. Außerdem habe die Kommune jetzt ein Gerät zur Leckageortung angeschafft, mit dem es gelungen sei, ein Leck zu finden, das schon vier Jahre lang gesucht worden sei. „Die Weilroder Bürger sind sehr bewusst mit dem Lebensmittel Trinkwasser umgegangen“, sagte er und sprach seinen Dank dafür aus. Dr. Mittelbach der seit etwa 30 Jahren im HLNUG für den Hochtaunuskreis zuständig ist, ging kurz und in verständlichen Worten auf die Geologie des Taunus ein. Das Rheinische Schiefergebirge mit dem Taunus sei aus Ablagerungen eines Meeres entstanden, das vor etwa 450 bis 500 Millionen Jahren hier die Erde bedeckte. Durch die Kontinentaldrift sei dann das Gebiet angehoben und zusammengepresst worden, sodass aus den Ablagerungen ein sehr dichtes, feinkörniges Gestein entstand. Dieses Gestein sei wasserundurchlässig und könne kein Wasser speichern. Durch den Druck seien zwar Risse entstanden, die aber eben durch den Druck geschlossen seien. Doch senkrecht zum Druck sei ein anderes Risssystem entstanden, das offene Klüfte bilde. Und in diesen Klüften könne Wasser fließen. „Das Dilemma ist, zehn Meter daneben ist nichts zu finden“, so Mittelbach. Dann ging der Hydrogeologe auf die Grundwasserneubildung ein. Diese finde in den Sommermonaten nicht statt, da die Pflanzen das meiste Regenwasser aufnähmen. Und auch in den Wintermonaten müssten bestimmte Verhältnisse vorliegen, damit Grundwasserneubildung stattfinde. „Ideal ist drei Monate fieser Landregen“, schmunzelte er. Bei Starkregen oder auch Schnee auf gefrorenen Boden, gelange kein Wasser in die Grundwasserleiter. Außer den Klüften gebe es noch Bereiche mit Hangschutt aus verwittertem Gestein, in dem es den so genannten Interflow gebe, eine Art oberflächennahes Grundwasser. „Neue Standorte für Brunnen zu finden ist nicht so einfach“, betonte Mittelbach, denn die meisten würden schon genutzt. So würden neue Brunnen gegebenenfalls nur andere alte Brunnen schwächen, da sie die gleiche Kluft nutzten. Als Möglichkeiten für die Zukunft nannte er die Reaktivierung alter Anlagen, was heute durchaus wirtschaftlich sein könne, eine Neukonzeption der Verteilung, die Brauchwassernutzung und das Wassersparen. Dr. Hans-Otto Wack wagte einen Blick in die Zukunft und mahnte, dass Investitionen, die heute getätigt würden, für die nächsten 80 bis 100 Jahre Bestand hätten. Wie es beispielsweise bei der Fernwasserleitung aus dem Vogelsberg nach Frankfurt sei, die 1878 gebaut wurde. 1873 sei nach einer Cholera-Epidemie in Frankfurt ein Beschluss gefasst worden, dies zu tun. Dabei sei Frankfurt ein wasserreiches Gebiet mit Main, Nidda und hoch anstehendem Grundwasser. „Warum bedient sich Frankfurt aus fremdem Naturraum?“, stellte Wack in den Raum. Dies sei ein Anachronismus. Hier im Taunus seien die Verhältnisse anders, hier gebe es wenig Grundwasser. Und Grundwasserneubildung erfolge nicht bei Starkregen, die immer häufige vorkämen. Jahrhundertregen würden mittlerweile alle drei bis zehn Jahre vorkommen. Durch die Erwärmung gebe es eine verstärkte Verdunstung und damit stärkere Wolkenbildung. Bei den Starkregen gebe es praktisch keine Vorwarnzeiten für Hochwasser. Außerdem würden dabei viele Tonnen von Oberboden abgeschwemmt. Was wiederum den Teufelskreis Erosion in Gang setze. Ausgetrocknete Böden könnten außerdem kein Wasser aufnehmen. „In diesen Böden ist das Bodenleben kaputt“, betonte er. Und das Bodenleben sorge dafür, dass der Boden offen für die Versickerung von Niederschlägen bleibe. Die Böden, wie wir sie heute kennen, hätten sich seit der jüngsten Eiszeit gebildet, was nun auch schon über 10 000 Jahre her sei. Solange brauche ein Boden um sich zu bilden. Einen kurzen Abstecher machte Wack zu den Mooren, die die wesentlichen CO2- und Methan-Speicher auf der Erde seien. Auch eine künftige Süd-Nord-Wanderung aus unbewohnbar werdenden Gebieten wie Südeuropa oder Nordafrika riss er kurz an. „Grüne Wände“ zur Kühlung von Städten seien zwar gut und schön, aber ohne stimmiges Wasserkonzept nicht sinnvoll. Als eine Lösung regte er an, ein doppeltes Leitungssystem in Neubauten vorzusehen, getrennt nach Trinkwasser und Brauchwasser. In eine Zisternensatzung müsste aufgenommen werden, das dort aufgefangene Wasser auch zwingend zu nutzen. Und hinzu kämen Vorgaben zum Wasserrecycling, manches Wasser könne doppelt genutzt werden und aus Abwasser Wärme gewonnen werden. Aber selbst Plumpsklos konnte er Positives abgewinnen, denn die Phosphorvorräte auf der Erde gingen zur Neige. Und Phosphor sei für die Düngung landwirtschaftlicher Flächen zwingend nötig. Dünger könne aber auch aus den menschlichen Hinterlassenschaften gewonnen werden. Trinkwassergewinnung könne aber mittlerweile auch aus Oberflächengewässern erfolgen, wie es schon beim Kinzig-Stausee gemacht werde. „Wir müssen davon wegkommen, Wasser als Handelsware anzusehen“, mahnte er. Abschließend wies er auf den Zukunftsplan Wasser Hessen hin, an dem er mitgearbeitet hat. Die Zuhörer hatten schon nach jedem Vortrag Verständnisfragen gestellt. Jetzt nach allen Vorträgen kam eine kurze Diskussion in Gang, die aufgrund der späten Stunde nicht allzulange ausuferte. sn