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Montag, 8. Juni 2026

Exkursion zu den "Unkotopen"

Wehrheim/Obermörlen. Schon zu Zeiten des Dritten Reiches gab es hier unweit vom Führerhauptquartier bei Obermörlen militärische Anlagen. Nach dem 2. Weltkrieg in den 1950er Jahren dann okkupierten die amerikanischen Streitkräfte das Gelände am Eichkopf zwischen Pfaffenwiesbach, Obermörlen und Bad Nauheim und richteten dort einen Truppenübungsplatz und weitere militärische Anlagen ein. 2006/2007 fand die Rückabwicklung statt. So beschrieb Thomas Götz von Hessen Forst am Sonntag, 7. Juni, den 13 Interessierten aus den Reihen der Umweltgruppe der Lokalen Agenda 21 Weilrod kurz die Geschichte des etwa 3500 Hektar umfassenden Geländes nördlich des Wintersteinturms. Und davon sind jetzt dank der außergewöhnlichen Nutzung jetzt 60 Hektar FFH-Gebiet. Es haben sich hier nämlich diverse Tümpel und Kleinteiche gebildet, die eine reiche Amphibienfauna beherbergen: Geburtshelferkröte (fraglich), Gelbbauchunke, Erdkröte, Kreuzkröte, Laubfrosch, Teichfrosch, Grasfrosch, Kamm-, Faden-, Teich- und Bergmolch. Im Florenbereich konnten noch keine relevanten Arten festgestellt werden. Jedoch hat hier schon die Heidelerche gebrütet, die jetzt dank vieler Kalamitätsflächen eine größeren geeigneten Lebensraum im Taunus vorfindet. Auch die Turteltaube wurde schon gesehen. Die Insektenfauna ist durch eine reiche Blütenzahl vielseitig, unter anderem mit vielen Schmetterlingen und Nachtfaltern. Da das Gebiet unter FFH-Schutz steht, gelte hier ein Verschlechterungsverbot, erläuterte Götz. Das bedeutet, dass die Fläche offengehalten werden muss. Dazu werde der aufkommende Gehölzbestand wechselweise auf den Stock gesetzt. Einzelbäume wie die alten Eichen oder Wildkirschbäume bleiben erhalten. Die Wiesenflächen werden gemäht und im Spätsommer/Herbst nachbeweidet. Stellenweise wurden vegetationsfreie Flächen für die Heidelerche geschaffen. Und die Mulden mit den Kleinbiotopen müssen erhalten bleiben. Um den Gelbbauchunken sichere Laichbiotope zu schaffen, hat Hessenforst hier jetzt mehrere „Unkotope“ eingerichtet. Das sind Wannen aus Kunststoff oder Edelstahl, die mit Wasser gefüllt werden. Durch Steine und Rohrmatten besteht die Möglichkeit für die Unken die Wannen zu verlassen. Mit Bewehrungsmatten, Hasendraht oder auch Zaunabdeckung wurde ein Waschbärschutz geschaffen. Die Wannen werden im Herbst entleert, damit sich keine anderen Amphibien hier ansiedeln. Erst im Frühjahr werden sie wieder gefüllt. Denn die Gelbbauchunken sind eigentlich eine Auenart, die in erst frisch entstandenen Pfützen und flachen, warmen, sonnigen, gerne schlammigen Tümpeln ablaichen, in denen es keine Fische oder andere Amphibien gibt. sn

Klaus am "Edel-Unkotop"

Gelbbauchunke

Unkenlaich

Teichfroschtümpel

Unken-Logo

Artikel aus dem Usinger Anzeiger vom September 2008: 

WEHRHEIM (sn). Tiefe Fahrspuren durchziehen das Gelände. Der Pflanzenwuchs ist noch dürftig, der Fachmann spricht von Pioniervegetation. Manche der einzelnen Eichen sehen aus wie von Caspar David Friedrich gemalt: abgestorbene Stämme ragen in den Himmel, unten von kräftig grünen Ästen umrahmt. Und überall sind kleine Tümpel, in denen sich der Rohrkolben ausbreitet.

Auf dem Truppenübungsplatz Winterstein nordöstlich von Wehrheim-Pfaffenwiesbach herrscht seit drei Jahren kein Übungsbetrieb mehr. Jetzt will die Bundesrepublik Deutschland, die den Amerikanischen Streitkräften das Gelände in den 1950er Jahren überlassen hatte, die Flächen wieder den Kommunen zurückgeben. Doch Ober-Mörlen, Friedberg, Bad Nauheim, Rosbach und Wehrheim bestehen darauf, dass die Bundesrepublik Deutschland das Gelände zunächst auf Altlasten hin untersucht und diese gegebenenfalls beseitigt. Außerdem gibt es hier noch immer Stacheldraht, Gruben, Schützengräben und Gebäude, in denen der Häuserkampf geübt wurde. Diese sollen auch erst noch entfernt, zugeschüttet und abgerissen werden, bevor die Kommunen bereit sind, die Verkehrssicherungspflicht zu übernehmen. Aus diesem Grund ist aus der geplanten Übergabe zum 30. September noch nichts geworden. Aber in Jahresfrist soll alles erledigt sein. Etwa 3200 Hektar umfasst das gesamte Gelände, wovon aber nur etwa 70 Hektar als Kernbereich intensiv durch Übungstätigkeiten genutzt wurden. Und davon wurden jetzt 59 Hektar um den Eichkopf bei Ober-Mörlen als Gebiet nach der Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Richtlinie der Europäischen Union unter Schutz gestellt, denn hier hat sich die Gelbbauchunke (Bombina variegata) angesiedelt. Sie liebt die kleinen Tümpel, die noch schlammig sind und noch nicht zuviel Pflanzenwuchs aufweisen. Entstanden seien die die kleinen, mal mehr, mal weniger tiefen Wasserlöcher durch den Einsatz der Panzer, erklärte Thomas Götz, Sachbereichsleiter forstliche Dienstleistungen und Hoheit des Forstamtes Weilrod, in dessen Bereich der ehemalige Truppenübungsplatz liegt. Die Panzerketten hätten den Taunusschiefer zermahlen, so dass die nunmehr tonige Masse die Tümpel abdichtet. Und da das Gebiet nach der FFH-Richtlinie geschützt sei, gelte ein Verschlechterungsverbot. Das bedeutet, dass die Fläche in dem derzeitigen Zustand zu erhalten ist. „Das ist jetzt die Kunst“, äußerte Götz, denn die Sukzession, der Vorgang der Entwicklung der Pflanzengesellschaften, der in Mitteleuropa fast immer zu Wald führt, habe bereits begonnen. Nur durch spezielle Pflege sei der Status quo zu erhalten. Aufbauend auf einer Grunddatenerfassung durch das Büro Bioplan, Ober-Ramstadt, will jetzt das Land Hessen einen Maßnahmenplan entwickeln. Der Schwerpunkt liege dabei auf der „Bewirtschaftung“ der Gelbbauchunke, erläuterte Götz. Denn hessenweit sei diese Fläche mit Dutzenden von Exemplaren eine der wertvollsten Standorte in Hessen. Weitgehend einig seien sich auch alle betroffenen Kommunen, die Fläche in Richtung der stillen Erholung zu entwickeln. Zusammen mit dem Naturpark Hochtaunus werde ein Konzept entwickelt, das Gebiet für Wanderer und „normale“ Radfahrer zu öffnen. „Die Wildkatze ist hier Stammgast“, ist sich Götz sicher. Und er hofft, dass auch der Luchs komme. „Das ist eine Riesenchance“, denn dies sei zurzeit das größte Gebiet in Hessen, das von einer militärischen in eine zivile Nutzung übergehe.

 

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